Radiodigitalisierung muss Bedürfnisse des lokalen Hörfunks erfüllen
04.11.2009
Der VFRÖ hat sich aktiv in den von der RTR initiierten Konsultationsprozeß zur Radiodigitalisierung eingebracht. Die Ergebnisse der Konsultation wurden am 3.11.2009 bei einer Pressekonferenz der RTR/KommAustria vorgestellt. Die Digitalisierung des Hörfunks wird bisher vor allem unter dem Aspekt der Kosteneinsparung bei der Versorgung von großflächigen Versorgungsgebieten diskutiert. Der VFRÖ fordert von der Politik besonders auf die Bedürfnisse lokaler Radios einzugehen.
Position des VFRÖ zur Digitalisierung des Hörfunks
im Rahmen des 5. WS zu Digitalradio in Österreich am 10.9.2009 in Wien
Die Freien Radios bilden einen Sektor innerhalb der österreichischen Radiolandschaft, der seit seiner Gründung immer wieder innovative Formen und Anwendungen im Hörfunk gefördert hat. Diese Ausrichtung und Offenheit der Freien Radios bringt der VFRÖ auch in die Diskussion über die Digitalisierung des terrestrischen Hörfunks in Österreich ein.
Im Allgemeinen wird die Hörfunkdigitalisierung unter dem Aspekt der Frequenzökonomie, der Erweiterung der Programmvielfalt, einer Reduktion der Verbreitungskosten und neuer Möglichkeiten der Konzeption und Vermittlung von Inhalten diskutiert. Diese Versprechungen gelten so explizit nur für Radioveranstalter mit großräumigen Versorgungsgebieten.
Keine Erhöhung der Verbreitungskosten
Für Freie Radios ist primär mit einer Erhöhung der Verbreitungskosten zu rechnen, weil sie eigene lokale Verbreitungsstrukturen mit digitaler Technologie aufbauen und betreiben müßten. Diese Zusatzkosten müßten langfristig über Förderungen kompensiert werden. Eine Einschleifförderung ist dazu nicht ausreichend, weil keine zusätzlichen Erlöse abseits von Förderungen zu erwarten sind. Eine technologisch begründete Schlechterstellung lokaler Radioveranstalter gegenüber großflächig verbreiteten Programmveranstaltern muß mit einem geeigneten Förderinstrument explizit kompensiert werden.
Mehr Programmvielfalt im lokalen Kontext und im offenen Zugang
Zusätzliche Übertragungskapazitäten, die sich durch die Digitalisierung eröffnen müssen anteilsmäßig den nichtkommerziellen Freien Radios zur Verfügung stehen. An Orten an denen bisher keine freien Frequenzen für Freie Radios zu finden waren müssen entsprechende Kapazitäten für neue Freie Radios vergeben werden – bei Bedarf auch im selben Versorgungsgebiet für ein weiteres Freies Radio mit anderer programmlicher Ausrichtung. Gemeinsame, überregionale „Open-access“-Programme Freier Radios müssen Zugang zu nationalen und landesweiten Multiplexern zu bekommen, was durch entsprechende gesetzliche Regelungen abzusichern ist – sei es durch „must-carry“-Regelungen oder durch geeignete Gestaltung der Auswahlkriterien für die MUX-Belegungen.
Keine Abschaltung von analogem UKW-Radio
Explizit auszuschließen ist für den VFRÖ die Abschaltung von analogem UKW-Radio. Die weitere Auseinandersetzung mit der Digitalisierung des Hörfunks ist wichtig, derzeit ist aber kein realistischer Starttermin absehbar. Der VFRÖ ist bereit sich aktiv in die weitere Auseinandersetzung z.B. im Rahmen einer Arbeitsgruppe mit allen Interessensgruppen einzubringen.
Komplementäre Technologien zu DAB+
Zur Digitalisierung des lokalen Hörfunks ist DAB+ ungeeignet. Es muß daher in die Entwicklung komplementärer Technologien investiert werden. Zum derzeitigen Zeitpunkt bietet sich hier DRM+ als vielversprechende Technologie an. In Österreich sollten daher komplementär zu Versuchsausstrahlungen in anderen Ländern weitere Feldversuche mit DRM+ realisiert werden. Die Auswertung soll helfen die breitere technische Umsetzbarkeit und die Ermittlung von Kostenkalkulationen für den lokalen Einsatz zu ermitteln.
Multistandard für Digitalempfänger
Bei der Einführung von Empfangsgeräten für Digitalradio ist darauf zu achten, daß es zu keiner Diskriminierung von komplementären Technologien kommt. Multistandard-Empfänger sollten als gesetzliche Vorgabe für die Zulassung in Österreich und den Nachbarländern festgeschrieben werden, auch um sicherzustellen, daß diese zu massenverträglichen Preisen angeboten werden. Eine derartige gesetzliche Vorgabe scheint uns zielführender als die Subvention von Endgeräten!
Lienzer Pappier
Darüber hinaus verweisen wir auf die Ergebnisse der Arbeitsgruppe zu Verbreitungstechnologien für lokale und nichtkommerzielle Freie Radios zusammengefaßt im Lienzer Papier vom 9.7.2009.
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